Was macht der Piefke im Winter?

Dem einen ist es zu heiß, dem anderen zu kalt. Oder wahrscheinlich ist beiden beides, je nach Wetterlage eben – in dieser Hinsicht kann man seine Fahne ja ausgezeichnet nach dem Wind hängen.

“Mir geht es bestens – Ich kann gar nicht genug klagen“

Es war ja schon fast lächerlich, wie sich die Menschen über den letzten Winter beschwerten. Da bekamen sie endlich einmal, was es sonst nie gibt, nämlich einen richtigen Winter, und doch war das Gezeter groß – dabei war es ein Jahrhundertwinter. Aber sobald es einmal ein bisschen rutschiger zugeht, wird mit sofortiger Wirkung auf die Stadtväter geschimpft, was ja fast schon an den großen niederländischen Entertainer Rudi Carrell denken lässt, der das Ausbleiben des „richtigen“ Sommers auf die SPD schiebt. Nur dass es sich im Falle des Liedes des Holländers um deutliche Augenzwinkerei handelt, während die Nachbarn allen Ernstes eine „Frechheit“ verorten, wo in Wirklichkeit nur ein wenig ganz natürliches Eis liegt.

Und die Augen zwinkern höchstens vor lauter Neurose: der deutschen Pedanten Tic. Das “Behütet sein” hält in alle Lebensbereiche Einzug. Oder sagen wir besser: der Wunsch nach diesem. Aber immer nur an den falschen Stellen: da, wo es den Menschen schadet. Während die systematische Demontage des Sozialstaats von weiten Teilen der Bevölkerung nicht nur hingenommen, sondern tatsächlich begrüßt wird, traut man sich im Winter nicht vor die Tür, wenn Vater Staat einen nicht an die Hand nimmt. Kein Wunder eigentlich, dass es in Deutschland heutzutage verpönt ist, ein elfjähriges Kind einen halben Tag alleine zu Hause zu lassen. Ein Land voller griesgrämiger Untertanen.

Einsichten in Kitzbühel

Wenn jemand griesgrämig ist, hilft es häufig, ihn auf Kur zu schicken oder eben in den Urlaub. Zum Beispiel nach Österreich. Nach Tirol. Nach Kitzbühel. Das 8000-Seelen-Dorf ist einer der berühmtesten Wintersportorte überhaupt und beherbergt, wenn seine Hotels ausgebucht sind, mehr Touristen als Einwohner. Und dort wird dem Michel, bzw. Piefke, etwas vollkommen Seltsames widerfahren: nicht nur liegt Schnee im Winter, er wird tatsächlich angenommen, ja, nachgerade begrüßt! So etwas ist freilich nur möglich, wenn eine Gegend als Wintersportgebiet ausgewiesen ist – dann muss das so. Winterurlaub 2010 in Österreich erscheint tatsächlich als Option für norddeutsche Grummelköpfe. Solange nur zu Hause die gewohnte Wetterlage nicht aus dem Gleichgewicht gerät: 8°C, Regen. Ein solches Klima eignet sich denn auch hervorragend zur Züchtung von sozial unverträglichen Neurosen und einem chronisch verstimmten Gemüt.

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